Einbecker Morgenpost: »Junge Bühnenstürmer« spielen Eulenspiegel: Ein Narr, der andere zum Narren hält
Einbeck (ek). »Keiner ist so klug, dass er nicht von einem Narren betrogen würde.« Dieses Wissen macht sich Till Eulenspiegel zu Nutze. Er hält, auch heute noch, den Menschen den Spiegel vor, zeigt ihnen auf humorvolle, mitunter sogar derbe Art und Weise, wo sie andere verletzen oder sich schlecht benehmen. Er entlarvt Ignoranz und Eitelkeit, ist ein Narr, aber kein Dummkopf, sondern hält seine Mitmenschen, die ihm den richtigen Ansatzpunkt dafür liefern, zum Narren. Einige von Till Eulenspiegels Streichen haben die »Jungen Bühnenstürmer« bei ihrem ersten Theaterkurs unter der Leitung von Bernd Klaus Jerofke einstudiert und in einer Ab-schlusspräsentation jetzt im Rheinischen Hof gezeigt. Insgesamt 16 mal haben sich die Mitglieder getroffen, Texte gelernt und Szenen geprobt. Unterstützt wurde der Kurs von der Jugendstiftung des Landkreises Northeim.
Eulenspiegel, stellten die jungen Mitwirkenden fest, sei ein Clown gewesen. Er konnte fröhlich sein und über sich selbst lachen. Er tanzte durch die Welt und spielte mit ihr, er stellte sich und die Welt auf den Kopf. Die erste Szene führte in Eulenspiegels Kind-heit nach Kneitlingen, wo schon seine Mutter Last mit dem kleinen Till hatte, der es mit manchen Dingen ganz genau nahm: Wenn etwa die Medizinflasche stets gut verschlossen gehalten werden soll, kann er das Medikament natürlich nicht nehmen. In der Schu-le konnte Till vor allem durch gutes Jonglieren glänzen, »das kommt bei Mädchen gut an«, berichtete er. Die Narrenkappe wurde ihm eines Nachts von Athene, der Göttin der Weisheit, überreicht. Ihr Wappentier ist die Eule, die mehr sieht als andere, und den Spiegel gab sie ihm, damit er ihn anderen vorhalten könne. So würden sie sich selbst erkennen. So kam Till zu seinem Namen, und so wurde er zum richtigen Narren. Die Erfahrungen, die er mit anderen machte, waren nicht immer gut: »Wer versagt, braucht für Spott nicht zu sorgen«, aber er war findig genug, die Spötter mit ihren eigenen Mitteln zu schlagen. Hier wurde der Streich mit Till auf dem Hochseil gezeigt.
An die Balancierstange hatte er linke Schuhe gehängt, die er, weil ihm die Sticheleien zu viel wurden, in die Menge kippte. Das Wie-derfinden sorgte für viel Streit. Als Gaukler lernte er auf den Märk-ten von Taschenspielern und Zauberern, und so probierte er aller-hand Schabernack: Er ließ Marktfrauen aus blanker Gier ihre wohl gehüteten Brezeln zerbröseln, und er erschwindelt sich bei einem gerissenen Händler einen Krug Wasser gegen einen Krug Wein. Die Narrenkappe wurde an verschiedene Schauspieler weitergege-ben. Es spielten Dorian Bendig, Bettina Feiler, Sina Fietze, Paul Jonathan Kassing-Düttchen, Michelle Kowalkowski, Jella Kriehn, Anna Meyer, Mia Pohlenz, Johanna Preuße und Johanna Rörig unter der Leitung von Conny Anders, Sandra Bendig, Wolfgang Erbach und Bernd Klaus Jerofke.
Für ihre gelungene Darstellung, humorvoll und mit einem Eulens-piegel-typischen Augenzwinkern, bekamen alle Mitwirkenden von den zahlreichen Zuschauern viel Beifall sowie eine Premierenrose vom Vorsitzenden des Bühnenstürmer-Vereins, Klaus Hamann. Das Theaterprojekt wird ab Mittwoch, 4. November, von 16 bis 18 Uhr mit neuen Streichen im Rheinischen Hof fortgesetzt. Interes-sierte zwischen elf und 14 Jahren sind dazu willkommen. Auch dabei ist eine öffentliche Aufführung geplant: Am Sonntag, 13. Dezember, sind weitere Eulenspiegel-Streiche zu sehen.