Zickenkrieg mit diabolischen Spitzen »Die Bühnenstürmer« erhalten verdienten Applaus für das Stück »Acht Frauen«
Ein spannender und amüsanter Abend, beileibe nicht nur für Frauen: Das Amateurtheater »Die Bühnenstürmer« brachte am vergangenen Wo-chenende in ihrer fünften Spielzeit das bekannte Schauspiel »8 Frauen« von Robert Thomas auf die Bühne im Rheinischen Hof. Die acht Damen zündeten ein temporeiches Feuerwerk diabolischer Dialoge, scharfzüngiger Spitzen und punktgenauer Pointen und sezierten einander aufs Lustvollste. Dabei überzeugten »Die Bühnenstürmer« durch Spielfreude und eine gelungene Inszenierung.
Einbeck (sts). Acht Frauen in einem Raum. Eine von ihnen scheint eine Mörderin zu sein. Das ist die Ausgangssituation für die unterhaltsame, originelle und einfallsreiche Mischung aus Krimi-Farce und Komödie. Am Anfang des Stücks ist die Welt noch in Ordnung: Suzon, die in England studiert, kommt über Weihnachten nach Hause zurück und wird von ihrer Mutter ins Haus geführt. Die anwesenden Damen - Suzons Schwester Catherine, ihre Tante Augustine, ihre Großmutter, Köchin Chanel und das neue Mäd-chen Louise – begrüßen sie mehr oder weniger freundlich, nur der einzige Mann im Haus, Suzons Vater Marcel, lässt sich nicht blicken. Als Louise ihn aufwecken will, gellt ein Schrei durch das Haus - er liegt tot in seinem Bett, ein Messer in seinem Rücken.
Der Versuch, die Polizei zu rufen, scheitert, weil das Telefonkabel ebenso wie die Kabel des Autos durch-trennt sind. So sind die sieben Frauen darauf angewie-sen, selbst den Mörder zu finden. Zu allem Überfluss stößt auch noch Pierette, die ungeliebte Schwester des Getöteten, dazu. Natürlich haben alle acht Frauen ein Motiv, natürlich hatten alle acht Frauen die Gelegen-heit zur Tat, natürlich haben alle acht Frauen etwas zu verheimlichen - sie sind Giftmörderinnen oder schwanger, waren heimlich in den Toten verliebt oder hatten eine heiße Affäre mit ihm. Am Ende verkündet die junge Catherine den wahren Ablauf des Abends: …
Der Zickenkrieg im zurückhaltenden Bühnenbild von Klaus Hamann war fabelhaft inszeniert von Bernd K. Jerofke, in Assistenz von Melanie Schade: Catherine ist die quick-lebendige jüngere Tochter des Getöteten, sie wurde gekonnt burschikos in Szene gesetzt von Janina Heilmann. Augustine wurde als gealterte Jungfer, die keinerlei Verständnis für andere hat, gut verkörpert von Gudrun Voss. In ihr schlummern tiefe Gefühle: Ohne dass irgendeine der anderen Frauen etwas davon weiß, leiht sie sich heimlich Lie-besroma-ne aus der Bücherei und himmelt insgeheim ihren Schwager Marcel an.
Pierrette, perfekt gespielt von Simone Specht, ist die lebenslustige Schwester des Getöteten Marcel, der es nichts ausmacht, sich aushalten zu lassen. Wegen ihres Lebenswan-dels begegnen ihr die meisten anderen Frauen nur mit schweren Bedenken; daher ist sie für die anderen auch lange die Hauptverdächtige. In der Mordnacht hat sie ihren Bruder heimlich aufgesucht und einen hohen Geldbetrag von ihm erpresst.
Suzon, von Katja Diezemann gespielt, ist die ältere Tochter, die ein Kind erwartet. Madame Chanel, mit Leben erfüllt durch Jeanette Schmitz, ist die fröhliche Haushälterin, die beim Kartenspiel Geld verliert….
Louise, gut dargestellt von Kristin Mössinger, ist das scheinbar stille Zimmermädchen, die wie sich später herausstellt den Job nur wegen ihrer heißen Beziehung mit Marcel bekommen hat. Ehefrau Gaby, gekonnt präsentiert von Angela Heilmann, wird gründlich de-montiert, ihre Fassade als liebende Ehefrau, kann sie nicht aufrecht erhalten. Und da ist da noch die geizige Mamy, überspitzt in Szene gesetzt von Elke Thiergen, die wie alle anderen auch ein Motiv gehabt hätte. Den Akteuren gelang es, das Spiel und Selbstlüge und ver-drängte Wahrheit überzeugend-unterhaltsam auf die Bühne zu brin-gen. Und so gab es am Ende lang anhaltenden Applaus vom Publikum.